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Ratgeber Glutenunverträglichkeit

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Glutenunverträglichkeit
Was ist Glutenunverträglichkeit?

Bei der Glutenunverträglichkeit reagiert das Immunsystem der Betroffenen bei der Aufnahme von Gluten in übermäßiger Weise und ruft eine Entzündung der Schleimhaut des Darmes hervor.

In der Regel wird Gluten, ein Eiweiß, das zumeist in Getreide zu finden ist, über die Nahrung aufgenommen. Gluten kann jedoch nicht nur in Getreide oder Getreideprodukten enthalten sein, sondern auch in Farb- oder Aromastoffen oder beispielsweise Kosmetik. Das Immunsystem bekämpft bei Aufnahme von Gluten eigene Zellen des Körper und kann so eine Schädigung des Darms hervorrufen. Dadurch kann unter Umständen die Aufnahme von Nährstoffen eingeschränkt werden. Die Glutenunverträglichkeit ist eine chronische Krankheit, der einzige Behandlungsmöglichkeit eine strikte Diät ist.

Bei einer Glutenunverträglichkeit müssen im Alltag viele Dinge beachtet werden. Zunächst sollte alles, was mit der Zubereitung der Nahrung zusammenhängt, gründlich von glutenhaltigen Spuren befreit werden. Auch kleine Mengen von Gluten können eine Entzündung hervorrufen, deshalb muss grundsätzlich auf eine strikte Trennung glutenfreier und glutenhaltiger Lebensmittel geachtet werden. Auch die Geräte und Hilfsmittel, die zur Vorbereitung der Mahlzeiten genutzt werden, sollten jeweils nur für glutenfreie oder -haltige Nahrung verwendet werden.

Seltener vorkommende Ausprägungen der Glutenunverträglichkeit können nicht durch das Einhalten von glutenfreier Kost behandelt werden, sondern erfordern eine das Immunsystem unterdrückende medikamentöse Behandlung.

Therapie Glutenunverträglichkeit

Die Glutenunverträglichkeit ist nicht heilbar. Eine dauerhafte Diät – das heißt, die komplette Vermeidung der Aufnahme von Gluten – ist die bislang einzige Möglichkeit, die Symptome zu verbessern.

Neben der Vermeidung von glutenhaltigen Getreidesorten müssen auch unter anderem Fertigprodukte oder bestimmte Getränke mit Vorsicht genossen werden. Bei der Therapie von Glutenunverträglichkeit sollten auch kleine Mengen nach Möglichkeit vermieden werden. Darum müssen Lebensmittel, die Gluten enthalten, gekennzeichnet sein, denn oft ist Gluten auch in Aromastoffen, Geschmacksverstärkern oder ähnlichem zu finden. Verschiedene Lebensmittel wie zum Beispiel Reis oder Mais können als Ersatz verzehrt werden.

Bei der Entstehung einer Glutenunverträglichkeit spielen offenbar verschiedene Faktoren eine Rolle; der genaue Wirkmechanismus aber, wie diese Faktoren zusammenspielen, ist noch unbekannt. Zum einen sind in der Regel bestimmte genetische Bedingungen bei den an Glutenunverträglichkeit Erkrankten vorhanden, die das Risiko zu erkranken beeinflussen. Des Weiteren kommen auch Umwelteinflüsse oder ansteckende Erkrankungen infrage, die Unverträglichkeit mitauszulösen.

Bei der Aufnahme von Gluten mit der Nahrung reagiert das Immunsystem bei Glutenunverträglichkeit damit, dass es Antikörper ausschüttet; diese richten sich jedoch gegen den eigenen Körper. Dadurch kommt es zu einer Entzündung der Darmschleimhaut.

Was ist Glutenunverträglichkeit?

Der Begriff Glutenunverträglichkeit bezeichnet eine vorwiegend genetisch verursachte Erkrankung, die hauptsächlich in der Unverträglichkeit des Glutens (gesprochen mit Betonung auf der zweiten Silbe) besteht. Gluten ist ein Klebereiweiß und befindet sich in Getreidekörnern wie Weizen, Roggen, Grünkern, Gerste und Dinkel. Daher müssen die Betroffenen eine Diät einhalten, die bestimmte Lebensmittel vermeidet. Untherapiert kann der Glutenunverträglichkeit eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut folgen.

Glutenunverträglichkeit, Zöliakie oder glutensensitive Enteropathie?

Etwas verwirrend ist die Namensgebung: Wenn die Glutenunverträglichkeit im Kindesalter auftritt, wird sie Zöliakie genannt; bei Glutenunverträglichkeit im Erwachsenenalter spricht man von einheimischer Sprue oder glutensensitiver Enteropathie. Meist werden die Begriffe jedoch synonym verwendet.

Zur Wirkung des Glutens bei Glutenunverträglichkeit

Gluten löst bei betroffenen Patienten eine Überreaktion des Immunsystems aus. Daher gilt die Glutenunverträglichkeit auch als Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem bringt unter dem Einfluss des Glutens Antikörper gegen körpereigene Zellen des Dünndarms hervor. Dies kann zu einer Rückbildung der Darmschleimhaut führen, sodass die entsprechenden Bereiche des Darms nicht mehr ausreichend Nährstoffe aufnehmen und ins Blut transportieren können. Neben den klassischen Produkten aus Getreide wie Nudeln, Brot oder Müsli können auch andere Lebensmittel glutenhaltig sein, vor allem weil Gluten als Verdickungs- oder Bindemittel und als Trägerstoff von Geschmacksverstärkern, Aromen und Farbstoffen verwendet wird. So können etwa Fruchtjoghurts, Schokolade, Wurst oder Pommes frites Gluten enthalten.

Häufigkeit der Glutenunverträglichkeit in den Industrieländern

Die Glutenunverträglichkeit ist eine lebenslange Erkrankung, die in vielen Industriestaaten inzwischen zu den häufigsten zählt. Vermutlich ist etwa 1% der Menschen von der Glutenunverträglichkeit betroffen. Allerdings gilt es, von einer vermutlich hohen Dunkelziffer auszugehen. Die Häufigkeit der Glutenunverträglichkeit ist in den letzten 40 Jahren in Europa angestiegen. Frauen erkranken ungefähr dreimal häufiger als Männer. Da die Glutenunverträglichkeit eine genetische Erkrankung ist, kann eine familiär bedingte Häufung vorliegen, die den Ausbruch der Krankheit begünstigt.

Symptome der Glutenunverträglichkeit

Zu den Symptomen der Glutenunverträglichkeit zählen Durchfall mit fettigem Stuhl; ein aufgetriebener, angespannter Bauch; Blähungen; Verstopfung und Gesichtsblässe. Es kann zu Knochenschmerzen, Kalkmangel in den Knochen und Osteoporose kommen. Es können Müdigkeit, eine Verminderung der Sexualfunktion, psychische Veränderungen und Depressionen auftreten. Der Appetit ist meist entweder stark erhöht oder vermindert. Ferner zeigen sich Magenschleimhautentzündungen, Nierenerkrankungen, Gewichtsabnahme, Mangelerscheinungen durch die eingeschränkte Nährstoffaufnahme und eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit. Betroffene Kinder zeigen oft Wachstumsstörungen und stärkere Symptome als Erwachsene, häufig auch schulische Leistungsschwäche und eine verzögerte Pubertät. Die Glutenunverträglichkeit kann zusammen mit anderen Erkrankungen in Erscheinung treten, wie etwa Trisomie 21 oder Downsyndrom, Diabetes Typ 1, Mukoviszidose oder Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse. Die Erkrankung verläuft bei allen Patienten unterschiedlich. Einige Patienten mit Glutenunverträglichkeit zeigen keine Symptome.

Fedor Singer

 

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